Sonntag, 25. September 2011

Geister leben zwischen unseren Wohnungen in den gedehnten räumen und sie warten.
Sie haben Platz für jeden von uns. Die Waage wird kippen und die Toten werden die Lebenden überrennen. Das ist das Ende. Das war es nicht wert. Lächerlich.

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Stumm und elend in dieser Nacht. Also alles so wie immer. Wir sind einsam in diesem Labyrinth. Ich habe meinen Tiger verloren als ich schlief. Kein Alkohol hilft, Zigaretten pressen die Lunge aus. Aber jede Krankheit die ich mir borge ist besser als der Tod.


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Das Trommelfeuer hat aufgehört. Für Jahre gewandert, die Städte haben ihre Plätze verlassen und sich weiterbewegt wie Kriechtiere. Sie ziehen eine Spur hinter sich her, die irgendjemand mal Zivilisation genannt hat. Das ging lange gut, dann nahmen die Pflanzen uns gefangen.


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Das Wort des Universums soll ein zweischneidiges Schwert sein. Ich werde die Wahrheit sagen, allen. Es lebt und ist kräftig und scharf. All denen, die meine Wahrheit hören werden, wird es aufgehen wie die Samen der Blume, die Ameisen befällt. Es rast hinunter ins Seelenfleisch.


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Man hat erzählt, dass der letzte Mensch auf der Suche nach Wasser in einem Brunnen sterben wird. Das ist bedauerlich, aber es geht mich nichts an. Ich werde nicht mehr dabei sein.

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Die Bäume verlassen den wald. Das ist das einzig echte Bild einer Utopie. Sie wollen nicht mehr genährt werden durch die Menschen, die Erde geworden sind. Kein Menschenatom soll mehr durch ihre Wurzeln dringen. Sie wollen unsere Vernunft nicht.


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Die Arbeit in einem Steinbruch
Staub Schweiß Hitze. Ohne Wissen oder Ahnung durch einen Berg fressen.
Was erwartet mich?
Dunkelheit, am Tageslicht lässt erblinden. Man sieht alles verschwommen, wenn man den Stollen verlassen hat.
Die Werkzeuge sind freundliche Feinde.
Staublunge. Wenig Luft. Erschöpfung.

Montag, 12. September 2011

Neue Texte

Er hatte sich angewöhnt, allein zu essen. Als der Großvater damals mit ihm am Tisch saß und schmatzte, empfand er Ekel. Die Geräusche der Verdauung wühlten sich durch ihn, Lebenszeichen.
Jemand schnitt einen alten Käse auf, schnitt dabei eine der Blasen auf aus denen Wasser lief. Als trennte das Messer ein Gesicht auf und ein Furunkel Flüssigkeit freisetzte.



Er dachte darüber nach, ob er sich in eine Romanfigur verlieben könnte. Eine Person, die es nicht geben kann, die aber doch eine Verdichtung vieler Personen ist, die der Autor hat zusammenfließen lassen wie verwesende Kadaver, die zu einer gemeinsamen toten Masse werden.



Aus der Wohnung unter ihm drang das Husten seines Vaters nach oben durch die Stille um 2 Uhr nachts, wie ein Weckruf der Endlichkeit, an den Schreibtisch. Das Exil, den Kosmos aus Schriftzeichen, umgeben von einer Wallanlage aus totem Papier. Jeder Text lässt sich auf eine Aussage herabführen: Unfähig.
Dazu kriecht die Gegenwart der Frau durch die Wohnung, verbreitet sich wie Rauch und macht Schlaf unmöglich. Ihre Stimme in Reden und Lachen dringt durch Wände und in den Traum. Die Frau reißt die Tür auf, schreit und verschwindet. Nur niemals ganz und gar. Sie träumt im Raum nebenan oder sammelt Kraft.
Er möchte Nachtwächter sein, um nicht in dieser Wohnung sein zu müssen. Tageslicht vertreibt das Böse. Schlaf wäre möglich, aber unwahrscheinlich.
Für den gewissen Tag, den er mit Angst und Hoffnung erwartet, den Tag, an dem sie ihrem Leben ein Ende setzt und sein Leben damit versklavt und befreit, liegt die CD mit dem Wohltemperierten Klavier bereit.



Dieser Mann erlebte den Tag, wie er jeden Tag erlebte. Nichts Außergewöhnliches. Der Zug fuhr. Dar Kaffee aus der Bäckerei schmeckte wie immer. Dieselben Fahrgäste wie immer. Das Wetter wie das Wetter sein muss. Fahrscheine auf demselben Papier. Derselbe Preis, Zuschläge inbegriffen. Die gleichen Geräusche. Nichts, was nicht immer so war wie immer. Nur die Verhaftung eines jungen Mannes, der Flugblätter verteilte, der Einsatz von Schlagstöcken und schließlich der Schuss und der zusammensackende Körper unter dem sich eine Blutlache ausbreitete wie eine andere Meinung waren anders.



In der Hoffnung, sie wiederzufinden, versteckte ein Alter Texte in den Büchern der öffentlichen Bibliotheken und im Internet. Nach seinem Tod hoffte er, im Falle einer Reinkarnation, sich selbst vor den Fehlern seines Lebens bewahren zu können. Alle Anstrengungen waren vergebens. Wiedergeboren konnte er sich an nichts erinnern und die Ahnung, etwas vorher schon einmal in anderer Weise, aber doch ähnlich erlebt zu haben, zerschlug sich durch einen falschen Moment.



Man hatte nur gehört, dass der Steuermann die Ladung verteidigt hatte, die zum Teil aus verdorbenen, zum Teil aus goldenen Früchten bestand. Er hatte unter Besatzung und Passagieren mit dem Enterhaken für Ruhe gesorgt.


Ein Mann stand in diesem Laden, der Bücher eher lagerte statt sie zu verkaufen. er sah etwas hilflos aus und alles an ihm sprach, dass er etwas zu erzählen hatte. Er sah uns an und sagte, dass gestern seine Frau verstorben sei. Man habe sie aus der Wohnung geholt und er hatte nicht die Gelegenheit gehabt, sich zu verabschieden.







Wozu interviewt jemand einen anderen im Zug und lässt ihn Noten geben? Was passiert mit diesen Informationen? Sitzen in einem Rechenzentrum Horden von Studenten, die alles in idiotische Computer eingeben, die dann den verantwortlichen Vollidioten erzählen, was man wo einsparen könnte, was dann diese Vollidioten den noch größeren Idioten an irgendeiner Konzernspitze erzählen? Statt dass einer auf die Idee kommt, die ganze Bande mal mit einer fiesen Splitterbombe, angefüllt mit Schrauben, Sand, Eisen- und Glasstücken und Kot ordentlich und nachhaltig zu erledigen.
Wahrscheinlich machen sie aber nur irgendwelche Auswertungen und lassen den ganzen Datenmist liegen. Wer kann das alles schon verwalten oder gebrauchen? Vielleicht werden sie irgendwann mal, wenn es wirklich mies läuft und sie gerade deine Daten brauchen, auf den Kram zurückgreifen, den du mal einem freundlich-schleimigen Mitarbeiter im Zug gesagt hast, obwohl du ihm lieber seinen dämlichen Kugelschreiber quer durch die Visage gezogen hättest, weil du einfach deine Ruhe haben wolltest.
Nein, wir sind brav. Wir beantworten höflich und gelegentlich ehrlich ihre Fragen. Dabei würden wir gerne wesentlich schärfer und bösartiger und einfach ehrlicher den Mist aufzeigen, aber wir tun es nicht. Und darum wird sich nichts in der Welt verändern, weil wir nicht die Wahrheit sagen.
Es gibt einen Typen, der die Menschen zählt, die an einer Straßenecke vorbei kommen. Man hat ihm nicht gesagt, warum und wozu. er bekommt sein Geld und macht es einfach.
Jemand sitzt im Zug und klimpert auf seinem Laptop so virtuos wie Brendel auf dem Klavier und du bist auf beide neidisch. Ich verstehe dich.
Das Geschwätz zweier Weibchen über das Besäufnis gestern bei der Weihnachtsfeier, bei der ordentlich fremdgefickt wurde. Das willst du nicht hören und möchtest es ihnen sagen, willst sie anbrüllen, dass sie mit ihren Luxusproblemen zu einem Freund gehen sollen, den du empfehlen kannst. er weiß nicht, ob er zwei oder drei Wochen nach New York fliegen soll. Armselige kleine Wesen, die nicht dein und auch nicht mein Mitgefühl verdienen. Dich und mich schützt niemand vor dieser Mittelmäßigkeit und vor diesem Hass, diesem alles ins Nichts stürzenden Selbsthass, der uns auffrisst und vernichtet bis wir stumm sind.
Du hast das Gefühl, eine Narrenkappe zu tragen, weil du mehr Zusammenhänge erkannt hast? Mehr als die meisten Kriecher und Gnome hier? Das ist so und es wird dich nicht davor schützen, dass auch du nicht das Messer ziehst und dem freundlichen Fragensteller die Klinge in den Magen rammst, dem virtousen Tipper das Laptop ins Gesicht schlägst und den beiden Weibchen heißen Kaffee in die Dekoltees schüttest. Das machst du nicht und ich mache das auch nciht. Darum, Freund, hassen wir nur uns selbst, schieben es auf anndere. Wir wissen, wie unfähig wir waren, als es darauf ankam, wirklich zu handeln und dann haben wir versagt, weil wir feige waren...oder weil wir einfach niemandem wehtun wollten, obwohl wir das Messer in unserem Mantel hatten und unser Hass so stark war, dass er uns fast hat explodieren lassen wie diese Splitterbombe.



Die Kälte des Morgens offenbart Einsamkeit. Ein Kaffee und der Biss einer Zigarette in der Lunge. Erweckung.
In der Tageshitze verebben endlose Versuche. Kein Wort kann mehr gesagt werden. Und das ist gut.
Die Nacht kommt und legt sich, wie ein Körper, neben das Nichtvergessen in deinem Kopf.




Ein Freund, er arbeitet in einem Lager, erzählte mir, dass sein Chef sich nach dem Schiss sich nie die Hände wäscht und stinkt wie
ein Fischkadaver nach einem heißen Tag. Der Chef sei ein Krawattenmann, ein Anzugträger, der sich für mondän hält, aber den letzten Anzug vor 15 Jahren gekauft hat. Der Juniorchef hält sich für weniger mondän und trägt Hochwasserhosen. Lächerliche Figuren, sagt der Freund.
Sie sagten, er solle weniger arbeiten und dafür weniger Geld bekommen. Mein Freund machte seinen Job weiter, gleichgültig wie das Wasser, das geduldig einen Fels aushöhlt in Jahrhunderten.Der Alte sagte: Der ist ja so fleißig.
Der Junior: Ich hab ihm eins drüber gegeben.
Der Alte: Ich habe Dünnschiss, schon den ganzen Tag.
Ein Geschenk für die Belegschaft. Dann, erzählte mein Freund, ging er aufs Klo und klaute das Klopapier und stopfte es in die Mülltonne, restlos alles. Er nahm das ganze Klopapier aus allen Toiletten und warf es in den Müll. Der Alte rannte auf die Toilette, schloss die Tür und es rumpelte aus ihm raus wie das Jüngste Gericht.





Etwas, das lebt, haust in dir. Spürbar sein Wille zu entkommen. Wer denkt, wenn du denkst? Wie sich die Haut des anderen unter deiner Haut bewegt, als reibe sich Papier gegen Papier. Eine dünne Klaue, die sich in deiner Hand regt. Entkommen. Steigt in Filmen nicht die gezeigte Seele aus dem Körper hoch. Nur ein Trick im Film. Doch was aus deinem Körper entkommen will, hat mit der Seele nichts zu tun. Moleküle, die sich aneinanderreiben, simple Biochemie der Seele, nichts weiter. Es erhebt sich der Mitbewohner aus deinem Körper. Das bist nicht du. Das ist ein anderer.
Das Gespenst, das in deinem Körper haust.



Platon, der Philosoph, hasst die Dichter. Er selbst dichtet dem Sokrates das Wort. Ist es Selbsthass und ist dies die Voraussetzung, bleibende Worte zu erschaffen?

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Zur Abwechslung wird der Schreibtisch aufgeräumt. Exilbeseitigung. Enstellung der kriechenden Wortfäden. Pedantisch lege ich Ware zu Ware. Rechnung zu Rechnung. Im rechten Winkel neben den Bildschirm das Telefon. Anrufe werden nicht erwartet. Nicht schön der Rest, Müll, keine Funktion.
Dreißig Grad und leichter Durchzug, eine Flasche Wasser mit Apfelgeschmack am Schreibtischbein. Leichter Staub wird aufgewirbelt.
Eine Last ist alles, was im Kopf haust und nicht gern gedacht wird. Zuviel davon. Bald ist der Tag vorbei.



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Orest, müde seines Friedens nun, der begründet wurde durch den Spruch der Gerichtsbarkeit auf dem Areopag. Müde des Friedens seiner Seele, immer noch gekleidet im zweierlei Blut der Mutter und des Beischläfers, der das Schwert der Schwester war, Günstling der Eumeniden durch Blindheit, Existenzbegründer eines Mythos, ein zweiter Vater.
Orest, müde seines Friedens, will die Ordnung stören, die wiederhergestellte. Er will die Schwester auf dem Grabstein der Eltern nehmen, mit ihr begründen das Geschlecht der Verdorbenen, eine neue Konkurrenz zu Theben. Der Feind schläft nicht. Beide Häuser sind den Göttern verpflichtet.

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Der Traum des Sängerknaben: niemals alt werden. Verharren in der Jugend und das als Ziel sehen. Verzicht für das Leben im Chor. Die Stille zwischen den Noten ist ihm lieb. Die Stimme, sie soll nicht brechen. Ewig ein Junge sein und große Choräle vom Tod singen und vom Zorn des Herrn.

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Wir
Ihr sagt, unsere Texte seinen unterirdisch, ungereimt, schlecht. Ihr sagt, wir würden nie, niemals einen Preis dafür bekommen. Ihr bekommt Preise für eure Gedichte. Uns interessieren keine Preise,
uns interessiert das Geld. Nehmt eure Preise und zahlt uns aus. Gebt uns das Geld, damit wir es dorthin tragen, wo es hingehört. Wir tragen es in die Bars der Verlierer, die Bordelle voller schöner Mädchen, zu den türkischen Buchmachern, dahin, wo unser Leben ist, dahin, wo unsere Texte herkommen. Wenn ihr auf euren Stühlen sitzt, stehen wir dazwischen und stehlen aus euren Jacken alles, was uns gefällt. Wir wohnen zwischen euren Schubladen. Wir schwitzen unsere Gedichte raus. Wir werden niemals eure Gespenster sein. Wir wollen nicht in Feuilleton. Wir sind lebendig, jede Zeile ist Hass. Wir sind verdammt großartig und wir wissen das. Ihr seid die Oberfläche.
Wir sind der Untergrund.

Ich rauche nur

Wenn du mal richtig Ärger haben willst,dann mach was in Kunst. Irgendwas. Glaub mir, nirgends
findest du so viele Idioten wie in der Kunst. Wenn sie sich was nicht erklären können, halten sie es für Kunst, die Vernissagebesucher, die Lesungshörer, die Kritiker. Und jede Menge Künstler.
Ich rauche nur ein paar Zigaretten, schreibe ein paar Zeilen und scher mich nicht darum,
welche Metapher wieder reichlich beschissen ist. Ich sage, was ich davon halte. Wenn's denen nicht gefällt, geht die Welt nicht unter. Lass uns einfach die Kunst vergessen. Lass uns in ein Museum gehen, wenn die ganzen Spießerweg sind und vor Rührung weinen.


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An vielen Tagen, wenn es dich schon kalt erwischt hat, weißt du schon am Morgen,dass du dich auf den Abend freust. Da gibt es nicht vorher zu loben. Ereignislos verblasst die Zeit, unsere müden Tage kriechen wieder über den Beton der Stadt. Bald kehrt die Hitze zurück. Kein Eis kann helfen. In den Nächten jagen sich die Sätze, die besten seit Jahren, und verblassen, bevor du sie hattest und ihnen einen Teil der Ewigkeit schenken konntest. So wird von dir nichts bleiben. Was bedeutet schon Ewigkeit im Angesicht der Eiszeit?


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Warte auf die müden Tage. Zigaretten und Kaffee, einen Blick auf eine Frau und gieße dann deine Liebe in letzte goldene Verse, bevor es dich erwischt. Wahnsinn oder Tod, was macht das schon?
Lieber bin ich ein echter Epigone als ein falscher Fünfziger. Was kümmern mich die idiotischen Kritiker, sie sind auch nicht echt. Geifernde Musterschüler denen alles suspekt ist, was ein anderer an Mut mitbringt. Ich hab's geschrieben und ihr über mich. Mein Name hämmert in euren Köpfen.
Von euren Kritiken wird nicht bleiben an ihnen haftet Fischgeruch. Ich nehm euch alle mit da runter
Das ist die Welt und das ist alles.



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++++
Es zählt nur eins: Durchhalten und nicht überschnappen. Wenn die Eiszeit uns packt, ist alles gleichgültig und vergessen. Wenn ein Freund versucht, sich irgendwie umzubringen, zählt keines meiner, seiner oder deiner Gedichte, dann musst du nur rechtzeitig da sein ,dann ist das alles.
Wenn unsere Eltern sterben, dann ist das alles. Wenn man seine Kinder überleben muss, dann ist das alles. Der Tod greift in deine Nähe. Jeder Schmetterling ist Gott. Du musst durchhalten, denn eines Tages, sei versichert, triffst du auch die goldenen Zeile


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Sektion III / Pathos des Schnitts

Längst geschlafen und kalt aufgewacht. Wieder allein mit den Gespenstern, die schon längst die einzigen sind und über mich lachen. Das einzige Geräusch in dieser Zone der blauen Stunde meines...was? Traums, Schmerz, Leidens? Soll ich abgegriffenen Pathos verwenden, damit meine Nachtgäste wieder Grund zum Spott haben? Schon jedes Fragezeichen amüsiert sie. Welches Wort verbannt sie? Welcher Satz vertreibt sie aus meinem Kopf? Schlaf...Aufwachen..Kalt.. Ich tanze mit Gespenster einen Tanz aus Nichts. Sie haben mich wieder geweckt durch ihre Berührung. Sie stehen versammelt um das Bett. Es waren diesmal drei. Sie nahmen mich ins Dunkel mit für eine Stunde Raserei und blutige Kerben im Gesicht. Es sprach mir keiner mehr von Zukunft.
 
 
* * *

* * *


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I

Schreib über mich, über das, was übrig blieb, über das, was zurück gerissen wurde. Verbannt aus dem Tanz der Moleküle, dem Wortschaum und Sehnen, eingelagert zwischen Pappdeckeln für einen Bruchteil der Unendlichkeit oder ich weiß nicht was und will es nicht wissen, denn im Tod ist alles grün und gewiss auf den Müll geworfen. Schreib, was du willst denn im Abgesang bleibt in keinem Auge eine Wüste. Es gibt nicht zu besprechen, nichts zu beschreiben, alles ist gesagt.
Straßenschatten denken nicht an Hoffnung.
Im kleinsten Raum dieses Gebäudes schreibe ich meine Texte. Darüber, tonnenschwer geronnen, Eisen Beton Stahl Fleisch. Nur ein göttliches Husten und alles ist verschüttet was an großen Plänen
gemacht wurde.





Über den Fluss fuhr, morgens in eisiger Frühe, der Zug, oft beschrieben, zu anderen Zeiten, von anderen Köpfen. Mich fuhr er hinein in die andere Stadt und in die vertraute Fremde, in die Sehnsucht. Vom ersten Kuss des Morgens, der Kälte, bis zum Sternenhimmel des Abends such ich deine Augen. Hinter den Fenstern, im Licht will ich sie sehen. Überall kannst du sein und ich suche
dich, nur eine Vermutung durch die nächste ersetzt. Ich will zu deinen Augen, zu deinen Lippen.
Lass mich in den Kreis deiner Wärme treten und nimm mir den Schmerz.. Der Gedanke blieb haften an dem Tag, an dem die Hoffnung sich zersetzte, weil Du ein Gedicht aufsagtest. Vom Frühling, der mit blauen Bändern grüßt. Es waren Deine Augen.
















Allein stand der König auf dem Berg und kein Auge sah mehr auf ihn herab. Der König befahl dem
Wind sich zu legen. Der Wind wurde Sturm. Der König befahl der Sonne zu scheinen. Schwärze.
Der König steht allein auf dem Berg. Über ihm, unter ihm sein Reich.




Jenseits der Stürme bleibt die Flucht in deine Augen. Berühre mich mit deiner Hand, führe die Farben weg und zeig’ mir das Bild eines schlafenden Körpers. Von deinem Mund tropft Blut und aus den Tiefen deiner Augen. Ein Schweigen war dort jenseits der Stürme.
Wie sehr will ich von deiner Seele kosten, selbst wenn der Sommer nur noch lockt mit Lust.
Mich sollen deine Augen wärmen. Das Rot deiner Tränen, durch den Wind zu mir getragen.
Der Duft deines Haares und deines Körpers. An meiner Seele sollst du leben.


I.
Unter der Haut brennt das Verlangen
an die Oberfläche
und Kälte;
sie wandert durch mich
zu deinen Augen,
darin sehe ich
mein Verlangen

II.
aus deinem Bannkreis
bin ich verstoßen,
dazwischen gleißt es
unsichtbar;
die Mauern reißen ein
ich zu dir
in dein Salz

III.
Weil du bist,
sei es der Sturm,
sei es das Meer voll Sonne.
In deinen Augen will ich
ruhen.
Sie sehen die Ferne.
Dein Mund trinkt
das Wasser
meiner Seele.

IV.
Rauhreif zerschneidet die Hände
Sehnengetrennt vertreiben sie
die Gespenster nicht mehr.
Auf den Boden zeichnet
der Atem einen Namen.

V.
Verbrennt die Sonne das Land?
Die Tage des Sommers haben den Mond vergessen.
Stehst du nicht vor mir?
Es küßt ein Mund die Wunden,
bitter schmeckt ihr Blut.









Warten, eine Zeit lang und nichts lehnt sich gegen die Uhr auf. Kein Geschehen, nur dass jemand stirbt. Was mir bleibt ist: Sehen. Jeden Atemzug sehen. Warten auf den letzten. Begrenzte Empfindung siecht durch das Sterbezimmer. Es ist dein letzter Ort. An der Wand ein Bild, darauf eine Burg in einer schönen Landschaft. Dort sein und im Gras liegen. Jeder Grashalm atmet Seele.
Doch die Zeit schlägt ihre Zähne in unser Fleisch.


StadtChronologie

Alte Männer steigen in die Bahn, der eine, auf Kinder deutend: „Die zählen die Jahre bis zur Volljährigkeit. Wir zählen unsere Tage.“
Auf der Straße einige Möbel, darunter ein Bücherregal, das mein Chaos aufnehmen könnte, der Versuch zur Verwaltung, zur Ordnung. Daneben fegt ein Mann die Tankstelle. Vor mir sitzt eine junge Frau, sehr weibliche, vielleicht sogar erotische Formen. Ich kann ihr Gesicht nicht sehen. Die Kinder, die jetzt nicht zählen, schreien. Der eine Alte blickt den anderen Alten an und schüttelt den Kopf, in Richtung der Kinder nickt dann der erste. Ich sitze daneben und schreibe alles auf. Alles ist stereotyp und billig. Auch das Gefühl von schleichender Angst. Es nervt. Lesen nervt nicht, schreiben auch nicht.
Der Hunger nervt. Das Atmen nervt. Denken ist entnervend. Wo steht der Satz, in dem ein Schüler fragt, wer den Flug der Vögel kontrolliert. Eine alte Frau schiebt ihren Rollstuhl vor sich hin, ihren eigenen. Mit dabei ist der haltungsgebende Versuch, Würde zu bewahren in der Hinfälligkeit. Ich bin froh um jede Nachricht, die mich nicht erreicht. Im Stillen bleibt der Traum von der Überwindung aller Klischees und das letzte Déjà vu. Was sollen DAS für WORTE sein, die sie dort sprechen, tagelang. Im Credo seltener Metaphern reißen sich die Lemuren um Bargeld. Ich weiß nicht, ob ich mir einen Sinn kaufen soll. Es liegt an mir.

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Durch die Städte geht niemand mehr, nicht der, der übrigbleiben sollte, der Wind. Vor uns ging, eine Zeitlang, der, der keinen Namen trug. Nach uns kam, nichts nennenswertes. Wir gingen unbeteiligt durch die Städte, eine Tasche unter dem Arm, darin ein schwarzes Brot und eine Flasche Schnaps. Wir versteckten uns in den Ecken und warteten, dass etwas geschehe. Wir wussten nichts. Wir warteten.
Es kamen Menschen und sie sahen uns nicht, weil wir es so wollten. Und sie hörten uns nicht, weil wir nichts sagten. Wir nahmen nicht teil. Wenn die Menschen dastanden und sich ansahen, was ein Verkehrsunfall übrig ließ, gingen wir vorüber wie der Wind und nahmen nicht Anteil daran. Wir verweigerten die Auskunft nach einer Straße oder dem Weg zu einem Ort. Wir drehten uns weg und gingen. Wir verhielten uns still. Eine Stadt war wie alle anderen. Wir beachteten die Häuser nicht, auch nicht die Menschen, nicht die Plätze, Kirchen, Museen, Rathäuser, Bahnhöfe, Geschäfte, nichts. Wir gingen vorüber wie der Wind. Wir blieben nicht an einem Ort, jeder Ort war so gut wie der andere. Wir schliefen überall, aßen, was übrig blieb, und wuschen uns in Brunnen. Es gab keinen Anfang des Weges, wir haben es nicht gesehen, wir können nichts dazu sagen. Wir wissen: Die Städte werden leer sein, der Wind wird verschwunden sein und nach uns kommen wird nichts nennenswertes.

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Die Himmel schwimmen eisgrau, grau unendlich und verlangen nach Andacht und Demut. Ich habe dich sterben sehen, nicht auf einem Bild und nicht in deinen Texten. Ich habe dich sterben sehen. Die Furcht vor dem Dazwischen teilte ich mit dir, die Stille zwischen den Wörtern und den Atempausen. Die Ahnung sah ich durch deine Augen. Ohne Illusion, ohne Utopie, aber ich habe dich nach der Zukunft gefragt. Irgendwo willst du deine Antwort versteckt haben, zwischen den Zeilen willst du etwas über Hoffnung geschrieben haben. Ich übersehe sie vielleicht. Oder du hast uns alle betrogen. Ich habe dich sterben sehen. In der Nacht hörte ich deine Trauer wie einen Gesang durch die Mauern kriechen hinein in meinen Schlaf. Ich weiß, der Stachel in deiner Seele bin ich. Und das Messer an deinem Hals. Das Gift in deinen Adern, das Gas aus dem Herd, der Strick um den Hals, das bin ich. Es gibt keinen Engel, der dich berührt. Du wirst bald still sein, ich habe dich sterben sehen. Über das Leiden soll nicht gesprochen werden. Kein Wort über den Sturm, nichts über das, was danach kommen soll. Kein Wort davon. Verbannt das Leiden aus meinem Umkreis. Keine Erinnerung daran: Ebnet das Grab ein, Friedhöfe sollen Felder werden. Die Sonne sei uns Zeichen. Die Nacht sollen wir verfluchen. Das Sterben sei zu Ende. So dachte ich auf der Fahrt zum Krankenhaus, nachts, in dem du zum Sterben gebracht wurdest, nach einer unbekannten Anzahl Schlaftabletten.



Gedanke daran, sich vom Leben loszusagen und unter einem Baum zu leben, sich dort eine Wohnung einrichten und auf den Regen warten, die Tiere zählen, ein Hasenorakel befragen und jedem, der es wünscht, ein Tasse Tee anbieten.



Der Terror hat kein Gesicht. Die Opfer immer, aber ihre Namen sind verschwunden.

Mittwoch, 30. September 2009

One from none!

***

Mir scheint es wichtig, die Einmaligkeit eines Morgens zu betrachten, nicht allein durch die Sinne, sondern auch durch und mit der Seele.
Sie einem Ortsteil annähren, in dessen Häusern früh morgens die Lichter brennen.
Dort mag jemand leben, den man kennen möchte.
Eine Wohnung in der Stadt, dort, wo niemand schläft.


***

Sie dachte sich eines Tages:
Jeder Morgen, an dem ich nicht am gemeinsamen Frühstückstisch sitze, ist eine Enttäuschung und verbreitet Traurigkeit. Zeit ist bemessen und nichts ist banal.
Abends verließ sie ihn. Für immer.
Er nahm es hin und es änderte sich wenig für ihn.

***

Krieg
fordert Frieden heraus
er reiz ihn, neckt ihn
bis er zuschlägt
mit der Pranke

***

Die Nächte sind nicht dunkel genug
sie gleißen
Stille ist verräterisch
sie sagt zuviel

***

keine Kraft ist mehr in unseren Träumen
aber wir sehnen uns nach Schlaf

***

Wir ließen jede Vernunft
vorbeiziehen an uns
wie Gewitter im grünen
Land der Toten
Unsere Augen haben sich geöffnet

***

Ein Wald
Rot und golden
In Licht durchflutet
Der alte Mann
Am Ende des Weges
Wind

***

Wir ließen jede Vernunft
vorbeiziehen an uns
wie Gewitter im grünen
Land der Toten
Unsere Augen haben sich geöffnet.


9
In der Nacht hörten
wir einen Schrei
und unsere Häuser bebten.
Danach war es
für immer still.
Nur Gemurmel ohne
Bedeutung.
Geh uns voraus,
ein Stück des Weges.

10
Schlagt eure Schritte nicht ein
In meine Richtung
Bleibt weg von mir
Ich will euch nicht sehen.
Geht.

11
Wolkenlose und fremde Textuniversen
sachte Einblicke
in die Hölle des Nichtschreibens
des verschwiegenen Wortes
das den Beweis durch Stille antritt
sind der vierte Nagel der Nachlässigkeit
Der Pfiff des Arbeiters von draußen
hat mehr Wahrhaftigkeit

12
Von niemandem respektiert
nicht mal von mir selbst
angesichts der Unfähigkeit einfach klare
Worte zu finden für die trüben Gedanken.

13
Ich habe immer versucht, mein Leben zu finden oder zu definieren und habe mir immer ein Bezugssystem aus dem Leben anderer erschaffen. Ich wollte sein wie sie. Dabei habe ich dann die Form vergessen und den Inhalt, der mein Leben sollte, zerrinnen lassen.
Es immer anderen recht machen und nie mir selbst.

14
Er sagte sich immer, dass er vorbereitet war.
Als ihn dann jemand fragte: Warum so spät?
Sagte er: Was so spät? Ich bin pünktlich.
Nein, warum haben Sie erst so spät veröffentlicht?
Ich habe schon lange vorher veröffentlicht. Es hat niemanden interessiert.
So schlecht?
Nein. Ich glaube nicht. Ich hatte immer wenig Zeit. Arbeit, psychopathische Freundin, andere Idioten, die mir die Zeit gestohlen haben.
Andere schreiben nach der Arbeit.
Andere, kann sein.
Warum also sind Sie so spät dran?
Er sah auf seine Uhr und ging.

15
Ich bin nicht der, den die Leute erwartet hatten, als ich auf die Bühne ging und mich an den Tisch setzte. Es war Dichterlesung. Oder sollte sein, aber nun saß ich dort an diesem Tisch, fremde Texte vor mir und ein Glas Wasser.
Die Scheinwerfer flossen mir ins Gesicht, blendeten mich und mir wurde heiß. Ich konnte nur Schemen erkennen und ein Flüstern von mehreren Mündern hören, ein Geräusch.
Ich sah mir den ersten fremden Text an, legte ihn beiseite. Den zweiten und den dritten. Dann nahm ich einen Schluck Wasser und las weiter, aber kein Text gefiel mir.
Ich stand auf und ging enttäuscht von der Bühne, ging durch den Zuschauerraum und sah, dass niemand dort saß

16
Jede Minute kann ich spüren, wie mein Herz älter wird. Krampfartige Stiche bohren sich durch und machen Meldung. Vielleicht ein Lebenssignal oder ich sollte nicht mehr schlafen, um endlich das Gebet zu sprechen.

17
Das Café war schmutzig, nur der Kaffee hielt mich hier. Ich kann nicht singen, aber der Black Coffee Blues pulst durch mich.
Je schneller ich mich an das Chaos gewöhne, das ich um mich herum ausbreite, umso besser werde ich damit umgehen können und die Ordnung entdecken, die darin verborgen liegt. Es braucht keine Bestätigung durch den Kellner; er kann sich die Häme sparen.
Ich weiß auch, dass ich kein Thomas Mann oder Paul Auster bin. Das steht in meinen Sätzen.
Ich bin nicht anwesend. Aber das bedeutet nicht, dass sich mein Geist vom Körper getrennt hat. Soweit ist es noch lange nicht. Ich schlafe nicht, ich trinke schwarzen Kaffee und sehe in den Regen. Der Regen liebt mich.

18
Wie lange unsere Fahrt auch dauern wird,
einer wird zurückbleiben
Angefangen beim ersten, der als letzter
hier noch wohnt

19
Irgendwo zwischen den Räumen, ohne klaren Bezirk, steht er und lächelt die Menschen an. Das Lächeln ist nur Maske und jeder weiß es. Es lächeln sich Masken an. Als wäre es Erkenntnis. Er treibt sich zwischen den wänden herum. Geräusche von allen Seiten. Sie gehören nicht ihm.

20
Jemand macht einen Spaziergang an einem Fluss. Es ist sein erster Urlaub seit ein paar Jahren und er kann, da er ganz allein ist, von der Büroarbeit ausspannen. Sein Plan war es, dem Fluss ein paar Kilometer zu folgen und dann vielleicht sich von einem Boot wieder zum Urlaubsort zurückbringen zu lassen oder den Zug zu nehmen.
Das Wetter wurde kühler und Nebel stieg auf. Im Nebel sieht er Menschen, die sich ans Ufer stellen und Lichter in der Hand halten. Sie sprechen nicht zueinander. Er sieht einige ältere Leute, die alleine dastehen. Einen Vater mit seinen zwei Kindern oder eine Frau.
Dann sieht er einige Boote aus dem Nebel auftauchen, die am Ufer landen. Sofort gehen einige der wartenden Personen auf ein Boot zu und begrüßen den oder die Angekommenen.
Nun sieht der Urlauber einen Mann, der die Szene ebenfalls beobachtet. Dieser Mann nimmt gelegentlich einen großen Schluck aus einer Taschenflasche.
„Guten Tag“, sagt der Urlauber und der Gegrüßte nickt freundlich zurück.
„Was machen diese Leute hier?“ will der Urlauber wissen.
„Sie stehen hier und warten darauf, dass geliebte Menschen hier ankommen. Sie haben vor einiger Zeit versprochen auf sie zu warten. Nur, wenn sie es versprochen haben, hier zu warten, kommen die anderen mit ihren Booten hierher.“
„Ich verstehe nicht. Das kann nicht ihr Ernst sein. Wie kommt das, dass ich hier bin?“
„Sie werden sich im Nebel verlaufen haben. Das ist mir auch schon passiert. Machen Sie sich nichts draus. Wenn der Nebel weg ist, dann können Sie wieder gehen. Solange sollten Sie hier warten. Es betrifft Sie ja nicht.“

21
Jemand beobachtete den Rauch einer Zigarette, der aus einem Mülleimer in Köln aufstieg. Der Rauch schlängelte sich durch die Öffnung und wehte auseinander.
Das war sehr kurz vor dem Sommerregen und der Beobachter dachte nur bei sich: Wie metaphysisch.

22
Ich hörte jemanden sagen, dass er sich dazu entschlossen habe, das Hemd nicht mehr in die Hose zu stecken. Er habe sowieso alle 5 Arten vergessen, wie man eine Krawatte binde.
Er hatte seine Rede an einen gerichtet, der neben ihm lief, den man aber nicht so einfach sehen konnte, weil er kleiner war. Dieser kleinere Mensch behauptete, dass er 13 Arten kenne, wie man eine Krawatte korrekt und für jede Gelegenheit passend binde.
„Das ist viel“, sagte der andere und fügte gleich an: „Ich lehne es ab, künftig die Süddeutsche, den Kurier, die Berliner, die Frankfurter, die Zeit, den Stern, Spiegel, Focus und alle anderen so genannten ernsthaften Zeitungen und Zeitschriften weiterhin zu lesen. Ich gebe der Bild Zeitung den Vorzug.“
Der Kleinere neben ihm sagte: „Das ist pervers, Herr Professor.“

23
Man hat erzählt, dass Herr Bej seine Frau nur darum habe heiraten dürfen, weil er den Glauben ihrer Eltern angenommen habe. Er liebte seine Frau sehr und hatte kein Problem damit, denn für ihn war das nur ein Lippenbekenntnis. Dazu gab es noch das Haus.
So war er verheiratet, hatte ein Haus und führte seinen Beruf aus. Er war Zimmermann und bekam eine Zeitlang gute Aufträge. Aber die Glaubensgemeinschaft verlangte den Beitrag immer in angemessener Relation zu der Summe, die er verdiente. Dann blieben die Aufträge aus und er verdiente immer weniger. Seine Glaubensbrüder sagten zu ihm: Der liebe Gott wird’s schon richten.
Nächste Woche wird das Haus zwangsversteigert.

24
Odradek

Ich weiß, dass mein Odradek dort draußen ist und nach mir sucht, sowie ich nach ihm suche. Manchmal rennen wir aneinander vorbei, entgegegesetzt, parallel, getrennt durch einen Häuserblock. Sein Vorteil: die Odradeks kennen ihre Personen. Umgekehrt ist das nicht der Fall.
Warum findet er mich nicht?

Copyright

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all texts (c) by Mirko Stauch